Wasserwerte & Test — Korallenpflege (Kurzüberblick)

Warum das wichtig ist
Korallen sind sehr empfindlich gegenüber Schwankungen in der Wasserchemie. Stabile Parameter sind wichtiger als „perfekte“ Einzeldaten — plötzliche Änderungen sind gefährlicher als leicht vom Ideal abweichende, aber konstante Werte.

Empfohlene Zielwerte (Richtwerte)

  • Temperatur: 24–26 °C

  • Salinität / S-Gehalt: 1,025–1,026 (≈ 35 ppt)

  • Kalzium (Ca): 400–440 mg/l

  • Karbonathärte (KH): 7–9 °dKH (≈ 2.5–3.2 mmol/l)

  • Magnesium (Mg): 1250–1350 mg/l

  • Nitrat (NO3): 0–5 mg/l (bei SPS eher < 2 mg/l)

  • Phosphat (PO4): 0–0,03 mg/l (bei SPS sehr niedrig halten)

  • pH: 8,1–8,4

  • Alkalinität: siehe KH

Welche Tests brauchst du?

  • Wöchentlich: Salinität (Refraktometer), Temperatur (Thermometer)

  • 1×–2× pro Woche: KH (Titrationstest oder elektrischer Messfühler), pH (Kalibrierte Messgeräte)

  • 1× Woche bis 1× Monat: Ca, Mg (je nach Korallenbestand)

  • 1× Woche: NO3/PO4 (vor allem bei SPS- und gemischten Becken)

Tipps zur Testpraxis

  • Immer dasselbe Test-Kit/Marke verwenden, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

  • Probensammelstellen: immer aus dem gleichen Bereich des Beckens entnehmen (z. B. mittlere Beckentiefe).

  • Kalibrierung: pH- und elektronische KH-/Ca-Sonden regelmäßig kalibrieren.

  • Änderungsmanagement: Parameter langsam anpassen (z. B. Ca/KH- Ergänzung in kleinen Dosen über mehrere Tage).

Fehlerquellen & Warnsignale

  • Plötzliche Trübungen oder massiver Algenwuchs → erhöhte Nährstoffe/PO4.

  • Weiß werdende Polypen / Gewebeverlust → oft Stress durch Temperatur-, Salinitäts- oder KH-Schwankungen.

  • Langsam wachsendes, blasses Gewebe → zu wenig Licht oder Mangel an Spurenelementen.

Schnelle Notfallmaßnahmen

  • Prüfe Temperatur & Salzgehalt zuerst.

  • Wenn KH/Ca stark abweichen: keine Schnellkorrektur; lieber in kleinen Schritten mit Puffern/Ergänzungen stabilisieren.

  • Bei akuten Vergiftungs- oder Algenproblemen: Teilwasserwechsel (20–30 %) prüfen und Ursachenforschung betreiben.

Weiterführende Tools

  • Auto-Dosierer für Ca/KH/Mg in SPS-Becken.

  • Redox/ORP & UV für Wasserqualität bei Bedarf.

  • Referenzwerte deiner Korallenarten beachten (SPS vs. LPS vs. Weichkorallen unterscheiden sich).

 

Licht & Strömung — Standortwahl im Aquarium

Grundprinzip
Korallen unterscheiden sich stark in Lichtbedarf und Strömungsansprüchen. Die richtige Kombination aus beidem ist entscheidend für Gesundheit, Farbe und Wachstum.

Licht (Grundlagen)

  • Messgröße: PAR (Photosynthetically Active Radiation) ist aussagekräftiger als Watt.

  • Richtwerte (grobe Orientierung):

    • SPS (z. B. Acropora): hoch — 200–450 PAR (je nach Art und Tiefe)

    • LPS (z. B. Acanthastrea, Lobophyllia): mittel — 50–150 PAR

    • Weichkorallen (z. B. Sarcophyton, Xenia): niedrig bis mittel — 30–120 PAR

  • Tipp: Neue Korallen langsam an höheres Licht „einfahren“ (Shading/mehrere Wochen an etwas schwächerer Beleuchtung).

Beleuchtungstypen

  • LED: flexibel (szenenabhängig), gute Kontrolle über Spektren.

  • T5: gleichmäßige Ausleuchtung, gutes Farbspektrum.

  • HQI/Metal Halide: starke Leistung, wird seltener verwendet (Wärme & Strom).

Strömung (Warum sie so wichtig ist)

  • Versorgung: Strömung transportiert Nährstoffe, Abfallprodukte und Sauerstoff.

  • Reinigung: Sanfter Durchzug verhindert Ablagerungen auf Korallenoberflächen.

  • Mechanik: Manche Korallen pulsiert/öffnen sich nur bei geeigneter Strömung.

Strömungsarten

  • Laminar (gleichmäßig) vs. Turbulent (wirbelnd). Korallen profitieren meist von wechselnder, turbulenter Strömung.

  • Richtwerte:

    • SPS: starke, turbulente Strömung (Wechsel zwischen 10–30 cm/s lokal)

    • LPS: moderat, kein direkter Schwall (sanfter, zyklischer Fluss)

    • Weichkorallen: mäßig bis stark, je nach Morphologie

Praktische Hinweise

  • Strömung niemals direkt in die Polypen blasen — das stresst.

  • Verwende Richtungswechsel/Turbulenzen (z. B. Controller-gesteuerte Pumpen), keine konstant einseitige Strömung.

  • Beobachten: Korallen zeigen anhand von geöffneten/geschlossenen Polypen, ob die Strömung passt.

Fütterung & Pflege — Ernährung deiner Korallen

Grundlagen
Korallen nutzen zwei Hauptversorgungswege:

  1. Zooxanthellen (Photosynthese) — liefert den Großteil der Energie.

  2. Heterotrophe Aufnahme (Plankton, Detritus, gelöste Stoffe) — wichtig für Wachstum, Farbe und Reproduktion.

Welche Koralle braucht was?

  • SPS: überwiegend auf Photosynthese angewiesen, profitieren jedoch von Aminosäuren, organischen Zusatzstoffen und sehr feinem Plankton.

  • LPS: nehmen aktiv Partikel- und Zielnahrung (Mysis, Artemia, Korallensticks) auf.

  • Nicht-photosynthetische Arten (z. B. Tubastrea): müssen regelmäßig gefüttert werden.

Fütterungsmethoden

  • Zielgerichtete Einzelkorallenfütterung (Feeder-Spritze) für LPS und nicht-photosynthetische Arten.

  • Feinpartikuläres Futter/Staubfutter verteilt über das Becken für Off-Feeder.

  • Flüssigzusätze (Aminosäuren, Enzyme) ergänzen die Versorgung — sparsam und nach Herstellerangaben.

Fütterungsfrequenz

  • SPS: selten gezielt, eher regelmäßige Düngung und stabile Nährstoffführung.

  • LPS: 1–3× pro Woche zielgerichtet je nach Art.

  • Anemonen/Weichkorallen: je nach Art 1–2× pro Woche.

Gute Praxis

  • Nicht überfüttern! Erhöhte Nährstoffe führen zu Algenproblemen und verschlechtern Wasserqualität.

  • Fütterung abends für nachtaktive Korallen.

  • Beobachten: Polypenfutteraufnahme, Resorption, und Reaktion auf Futter.

Ergänzungen & Spurenelemente

  • Regelmäßig Ca/KH/Mg kontrollieren und ergänzen.

  • Spurenelemente (Fe, Iod, Strontium etc.) nur bedarfsorientiert ergänzen; zu viel ist schädlich.

  • Verwende Markenprodukte und führe Messungen, bevor du Ergänzungen gibst.

Pflege-Tipps & FAQ — Häufige Probleme und Lösungen

Kurze Checkliste für regelmäßige Pflege

  • Wöchentliche Tests: Temperatur, Salinität, pH; 1× Woche KH & NO3/PO4 prüfen je nach Besatz.

  • Teilwasserwechsel: 5–15 % wöchentlich oder 20–30 % 2–4-wöchentlich (abhängig vom System).

  • Filterwartung: Abschäumereinheit, Filtermedien & Skimmer regelmäßig reinigen.

  • Beobachten: Korallenöffnungsgrad, Polypfarbe, Schleimproduktion.

Häufige Probleme & schnelle Lösungen

  • Problem: Gelbliche/bruazne Verfärbung, schlaffe Polypen
    → Ursache: Lichtmangel, zu hohe Nährstoffe oder schlechte Wasserqualität.
    → Lösung: Testen (NO3/PO4), gegebenenfalls Teilwasserwechsel, Licht prüfen.

  • Problem: Gewebeverlust / Weißes Skelett sichtbar
    → Ursache: Schnelle Parameteränderung, Krankheit oder aggressive Nachbarkoralle.
    → Lösung: Isolation/Quarantäne, Wasserwerte stabilisieren, mögliche Behandlung (z. B. Jod/Antibiotika bei Bakterien; nur nach Diagnose).

  • Problem: Überwucherndes Xenia oder Cyanoalgen
    → Ursache: Nährstoffüberschuss oder sehr schnelles Wachstum opportunistischer Arten.
    → Lösung: Manuell entfernen, Filterreinigung, Nährstoffzufuhr reduzieren, ggf. GAc/Phosphate-Adsorber.

Quarantäne & neue Korallen

  • Immer eine Quarantäne/Separate Pflegebox für neue Tiere (2–6 Wochen).

  • Beobachte auf Parasiten, Schwärmer, Bakterien oder merkliche Stressanzeichen.

  • Optional: leichte Süßwasser-Bäder oder Iod/Chlorhexidin-Behandlung (vorsichtig, artabhängig).

Fragging / Vermehrung (Kurz)

  • Fragging ist häufig möglich bei SPS/LPS: saubere Schnittwerkzeuge, desinfizieren, korrekte Anbringung (Kleber/Stein).

  • Heilzeit: Korallen brauchen ruhige Bedingungen und saubere Strömung zur Heilung.

  • Pflege nach Fragging: keine direkte starke Strömung, leicht reduziertes Licht für 1–2 Wochen.

Sicherheit & Handling

  • Handschuhe beim Arbeiten (einige Korallen sezernieren Toxine, z. B. Palytoxin bei manchen Zoanthus-Arten).

  • Schutzbrille bei Schneidarbeiten (Splitter, Tropfen).

  • Keine Medikamente ohne Diagnose und ohne Rücksprache mit erfahrenen Aquarianern oder Tierärzten.

Abschluss-Hinweis

  • Jede Korallenart hat ihre eigenen Besonderheiten — die allgemeine Pflege ist eine Basis. Bei exotischen oder empfindlichen Arten (z. B. Tubastrea, Dendronephthya) zusätzliche Recherchen und Erfahrung nötig.

  • Gerne erstelle ich zu diesen allgemeinen Kapiteln auch kurze Infografiken oder eine druckbare Checkliste für deine Kunden.